Werbeagentur kündigen: So nimmst du dein Marketing Schritt für Schritt selbst in die Hand
Der Moment, in dem du merkst: Das hier funktioniert nicht
Ich erinnere mich noch genau an den Tag. Es war ein Dienstag. Ich saß im Büro, hatte gerade die Monatsabrechnung meiner Werbeagentur vor mir. 4.800 Euro Agenturgebühr. Plus 12.000 Euro Ad Spend. Ergebnis: 9 Leads. Neun.
Dann habe ich selbst in den Ads Manager geschaut. Was ich da gesehen habe, hat mich fertig gemacht: Kampagnen, die seit 3 Wochen liefen — ohne eine einzige Anpassung. Zielgruppen, die sich gegenseitig kannibalisierten. Creatives aus dem letzten Quartal. Und ein CPA, der sich in 60 Tagen verdreifacht hatte.
An dem Tag habe ich meine Werbeagentur gekündigt. Beste Entscheidung meines Lebens.
Und ich bin nicht der Einzige. Ich spreche jede Woche mit Unternehmern, die exakt dasselbe durchmachen. Sie zahlen 3.000, 5.000, manchmal 10.000 Euro im Monat an ihre Agentur — und haben keine Ahnung, was damit passiert.
Wenn du diesen Artikel liest, hast du wahrscheinlich schon ein Bauchgefühl. Lass mich dir helfen, das Bauchgefühl in eine klare Entscheidung zu verwandeln.
5 Red Flags: Woran du erkennst, dass deine Agentur nicht performt
Bevor du deine Werbeagentur kündigst, solltest du sicher sein, dass es nicht nur ein schlechter Monat ist. Hier sind die 5 Warnsignale, die ich bei schlecht arbeitenden Agenturen immer wieder sehe:
Red Flag 1: Du hast keinen Zugang zu deinen eigenen Werbekonten
Das ist der größte Red Flag überhaupt. Wenn deine Agentur die Kampagnen über ihr eigenes Konto schaltet — nicht über deines — gehören dir weder die Daten noch die Ergebnisse. Du bist komplett abhängig. Frag dich: Könntest du heute in deinen Meta Business Manager einloggen und sehen, was läuft? Wenn nein, hast du ein Problem.
Red Flag 2: Reportings ohne echte Zahlen
"Die Kampagne läuft gut, wir optimieren weiter." Wenn das der Inhalt deines monatlichen Reportings ist, läuft gar nichts gut. Ein ordentliches Reporting zeigt dir CPA, ROAS, CTR, Frequency, Hook Rate — und vor allem, wie viel Umsatz durch die Ads reingekommen ist. Nicht Impressions. Nicht Reichweite. Umsatz.
Welche Kennzahlen dein Reporting enthalten muss und welche Korridore gesund sind, erkläre ich [im Detail [im [Artikel über [die 5 wichtigsten Meta Ads KPIs](https://blog.umsatz.ai/meta-ads-kpis/)](https://blog.umsatz.ai/meta-ads-kpis/)](https://blog.umsatz.ai/meta-ads-kpis/)](https://blog.umsatz.ai/meta-ads-kpis/).
Red Flag 3: Keine proaktive Kommunikation
Du musst der Agentur hinterherlaufen, um Updates zu bekommen? Das ist ein Zeichen dafür, dass du einer von 30 plus Kunden bist und dein Account vom Junior-Mediabuyer betreut wird, der letztes Jahr noch studiert hat.
Red Flag 4: Immer dieselbe Strategie
Deine Agentur schaltet seit 6 Monaten die gleichen Kampagnentypen mit den gleichen Zielgruppen? Kein Testing von neuen Creatives, neuen Hooks, neuen Funnel-Varianten? Dann bezahlst du 4-stellig im Monat für jemanden, der auf "Kampagne duplizieren" klickt.
Red Flag 5: Kein Verständnis für dein Business
Wenn deine Agentur nicht weiß, was deine Marge ist, was ein Lead bei dir wert ist und welchen Customer Lifetime Value du hast — wie soll sie dann profitabel für dich schalten?
Ein konkretes Beispiel: Ich kenne einen Finanzberater aus Frankfurt, dessen Agentur sich für einen CPA von 80 Euro gefeiert hat. Problem: Bei 200 Euro Marge pro Abschluss und 20 Prozent Abschlussquote bedeutete das 400 Euro Kosten pro Neukunde bei 200 Euro Ertrag. Minus-Geschäft. Und die Agentur hat es nicht einmal gemerkt.
Werbeagentur kündigen: Die Step-by-Step-Anleitung
Du hast dich entschieden. Mach es aber nicht einfach so. Wenn du das falsch angehst, verlierst du Daten, Zugänge und im schlimmsten Fall deinen Pixel mit all seinen gelernten Daten.
Schritt 1: Vertrag prüfen
Check deinen Vertrag auf Kündigungsfristen (meistens 1 bis 3 Monate) und Mindestlaufzeiten. Auch wenn du noch in der Laufzeit bist — kündige jetzt schriftlich zum nächstmöglichen Termin. Dann hast du ein klares Enddatum.
Schritt 2: Alle Zugänge sichern
Bevor du die Kündigung rausschickst, sichere dir Zugang zu allem:
Meta Business Manager (bist du der Admin?)
Google Ads Konto (läuft es auf deinem MCC?)
Google Analytics und GA4
Google Tag Manager
Alle Pixel und Conversion-APIs
Domain-Verifizierung im Business Manager
Zahlungsmethoden (laufen die über dich oder die Agentur?)
Wenn du irgendwo nicht Admin bist, fordere den Zugang sofort an. Schriftlich. Per E-Mail. Mit Frist.
Schritt 3: Pixel Ownership klären
Das ist kritisch. Dein Meta Pixel hat über Monate oder Jahre Daten gesammelt — Lookalike Audiences, Custom Audiences, Conversion-Daten. Das ist bares Geld wert. Wenn der Pixel der Agentur gehört, musst du ihn übertragen lassen. Das geht über den Business Manager unter Unternehmenseinstellungen, Datenquellen, Pixel, Pixel übertragen. Lass dir das schriftlich bestätigen.
Schritt 4: Daten exportieren
Bevor der Stecker gezogen wird:
Exportiere alle Kampagnendaten der letzten 12 Monate
Sichere alle Creatives — Bilder, Videos, Texte
Exportiere Custom Audiences und Lookalike Audiences
Mach Screenshots der Kampagnenstrukturen
Lade alle Reportings herunter
Du glaubst nicht, wie viele Unternehmer nach der Kündigung dastehen und nichts mehr haben. Keine Daten, keine Creatives, keine Audiences. Alles weg.
Schritt 5: Kündigung aussprechen
Jetzt — und erst jetzt — schickst du die Kündigung raus. Schriftlich. Per E-Mail und idealerweise per Einschreiben. Kurz und sachlich: "Hiermit kündige ich den Vertrag XY zum nächstmöglichen Termin." Kein Drama. Kein Blame Game.
Schritt 6: Übergangsphase planen
Plane 2 bis 4 Wochen Übergang ein. Lerne die bestehenden Kampagnen kennen, übernimm selbst die Steuerung und stoppe nicht sofort alles — sonst reißt dir der Lead-Flow ab. Das war mein Fehler damals: Ich hab alles auf einen Schlag abgeschaltet und hatte 3 Wochen lang null Leads. Mach das besser als ich.
Ads selbst schalten: Die 5 Skills, die du wirklich brauchst
"Aber Max, ich bin doch kein Marketer!" Hör ich ständig. Und ich sag dir: Du musst kein Marketer sein. Du musst genau 5 Dinge können.
Skill 1: Kampagnenstruktur verstehen
Campaign, Ad Set, Ad. Welche Zieloptionen es gibt. Was Advantage+-Kampagnen sind. Was Broad Targeting bedeutet. Zeitaufwand zum Lernen: 2 bis 3 Tage.
Skill 2: Creatives erstellen
80 Prozent des Erfolgs deiner Ads hängen am Creative. Du brauchst kein Designstudium, aber du musst verstehen: Hook in den ersten 3 Sekunden. Problem, Lösung, CTA. UGC-Style schlägt Hochglanz. Zeitaufwand: 1 Woche Learning plus laufend 3 bis 5 Stunden pro Woche.
Skill 3: Zahlen lesen können
CPA, ROAS, CTR, CPM, Frequency, Hook Rate, Hold Rate. Keine Raketenwissenschaft. Du musst wissen, was sie bedeuten und wann du handeln musst. Zeitaufwand: 1 Tag. Eine detaillierte Erklärung aller wichtigen Kennzahlen findest du in meinem KPI-Guide.
Skill 4: Testing-Systematik
Wie testest du neue Creatives? Wie skalierst du Winner? Wann killst du Loser? Ohne System wirst du planlos Geld verbrennen — genau wie deine alte Agentur. Zeitaufwand: 2 bis 3 Tage.
Skill 5: Tracking und Attribution
Server-Side Tracking, UTM-Parameter, Offline Conversions. Ohne sauberes Tracking fliegst du blind. Zeitaufwand: 3 bis 5 Tage.
In den ersten 4 bis 6 Wochen wirst du 10 bis 15 Stunden pro Woche investieren. Das ist die Lernphase. Danach? 5 bis 8 Stunden pro Woche. Ich manage heute Ad Spends von mehreren hunderttausend Euro und sitze keine 2 Stunden am Tag im Ads Manager.
Der Unterschied: Niemand kennt dein Business besser als du. Keine Agentur. Kein Freelancer. Du weißt, was deine Kunden wollen, welche Einwände sie haben und welche Sprache sie sprechen. Das ist ein unfairer Vorteil.
Die komplette technische Anleitung für deine erste Kampagne findest du [im [Guide Werbeanzeigen selbst schalten](https://blog.umsatz.ai/werbeanzeigen-selbst-schalten/)](https://blog.umsatz.ai/werbeanzeigen-selbst-schalten/).
Kostenvergleich: Werbeagentur vs. Marketing selbst machen
Lass uns Klartext reden. Hier sind die echten Zahlen:
Werbeagentur: 3.000 bis 8.000 Euro monatliche Fixkosten, 1.000 bis 3.000 Euro Setup-Gebühr, 10 bis 20 Prozent Adspend-Provision, minimale Kontrolle, Wissen bleibt bei der Agentur.
Selbst schalten: 0 Euro Fixkosten, 100 bis 300 Euro Tool-Kosten pro Monat, 5 bis 8 Stunden Zeitaufwand pro Woche, volle Kontrolle, Wissen bleibt bei dir.
Konkretes Rechenbeispiel: Du gibst 10.000 Euro pro Monat an Ad Spend aus. Deine Agentur nimmt 4.000 Euro Retainer plus 15 Prozent vom Ad Spend. Das sind 5.500 Euro. Pro Monat. Für jemanden, der dein Business weniger gut kennt als du. Auf 12 Monate: 66.000 Euro. Dafür könntest du dir einen erstklassigen Kurs kaufen, die besten Tools holen und hättest immer noch 60.000 Euro übrig. Und das Beste: Das Wissen bleibt bei dir. Für immer. Du bist nie wieder abhängig.
Marketing-Agentur-Alternative: Was statt Agentur?
Wenn du deine Werbeagentur kündigst, heißt das nicht, dass du komplett alleine sein musst. Hier sind die Alternativen, sortiert nach Investition:
Option 1: Alles selbst machen
Für Unternehmer, die Bock haben, sich reinzufuchsen. Höchste Kontrolle, höchster Lerneffekt, niedrigste Kosten. Meine klare Empfehlung für jeden unter 30.000 Euro Ad Spend pro Monat.
Option 2: Coaching oder Sparring
Du schaltest selbst, hast aber einen Experten an der Seite, der dir über die Schulter schaut. 1 bis 2 Calls im Monat, dazwischen Slack-Support. Kosten: 500 bis 2.000 Euro pro Monat. Ein Bruchteil einer Agentur, aber du lernst dabei.
Option 3: Spezialisierter Freelancer
Für einzelne Bereiche wie Creative-Produktion oder Tracking-Setup kann ein Freelancer Sinn machen. Aber du behältst die strategische Kontrolle.
Option 4: Inhouse Mediabuyer
Ab 30.000 Euro plus Ad Spend pro Monat kann es sich lohnen, einen eigenen Mediabuyer einzustellen. Der sitzt bei dir, kennt dein Business und arbeitet nur für dich. Nicht für 25 andere Kunden gleichzeitig.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Thema Werbeagentur kündigen
Kann ich meine Werbeagentur sofort kündigen?
Das hängt von deinem Vertrag ab. Die meisten Agenturverträge haben Kündigungsfristen zwischen 1 und 3 Monaten. Bei schwerwiegenden Vertragsverletzungen kann unter Umständen eine fristlose Kündigung möglich sein — lass dich dazu rechtlich beraten.
Was passiert mit meinen Kampagnen nach der Agenturkündigung?
Wenn die Kampagnen über deinen Business Manager und dein Werbekonto laufen, passiert erstmal nichts. Du entziehst der Agentur den Zugang, die Kampagnen laufen weiter. Laufen sie über das Konto der Agentur, musst du alles neu aufsetzen.
Wie lange dauert es, bis ich Ads selbst profitabel schalten kann?
Bei fokussierter Einarbeitung nach 4 bis 6 Wochen solide Kampagnen, nach 3 bis 6 Monaten richtig gut. Das klingt nach viel — aber deine Agentur hatte auch Monate und hat es trotzdem nicht hinbekommen.
Verliere ich meine Daten bei der Kündigung?
Nur wenn du nicht vorbereitest. Wenn du vorher alle Zugänge sicherst, den Pixel transferierst und Daten exportierst wie in der Anleitung oben beschrieben, verlierst du nichts.
Lohnt es sich, die Agentur zu wechseln statt selbst zu schalten?
Meistens nicht. Die Grundprobleme sind bei den meisten Agenturen strukturell: zu viele Kunden pro Mitarbeiter, kein echtes Verständnis für dein Business, falsche Anreizstrukturen. Die nächste Agentur wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselben Probleme haben.
Über den Autor
Max Längsfeld ist Gründer von umsatz.ai und hilft Unternehmern im DACH-Raum dabei, ihr Performance Marketing selbst in die Hand zu nehmen — ohne Agentur-Abhängigkeit. Er hat selbst den Weg vom frustrierten Agentur-Kunden zum eigenständigen Mediabuyer gemacht und verwaltet heute über 1,8 Millionen Euro eigenen Ad Spend mit einem ROAS von 3 bis 5x.
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